Allgemein Hintergrundbericht Meinung

Und täglich Grüßt der Mossadegh – der ein Mythos wurde

Dr Mohammad Mosaddeq

Ein Gastbeitrag von Markus Schaub

 

Seit spätestens 1979 wird der diktatorisch regierende Mohammad Mossadegh als Demokrat hingestellt, der von den USA gestürzt wurde. Eine Erzählung die nicht nur hinkt, sondern einem umfangreichem Geschichtsrevisionismus entspringt.

 

 

 

Ein wenig Vorgeschichte und Kontext

Mohammad Mossadegh stammt aus einer wohlhabenden Familie. Sein Vater war der Cousin 2. Grades von Hassan Mostofi, der 5 Amtszeiten Premierminister des Irans in der Kadscharen-Dynastie und der erste Premierminister unter Reza Schah Pahlavi war, mit dem er sich überworfen hat. Die Mutter von Mohammad Mossadegh, Schahzadeh Nadschmeh-al-Saltaneh, war sogar eine Prinzessin der Kadscharen-Dynastie. Dadurch bekam er eine erstklassige Ausbildung und wurde Mostofi-aval (Erster Finanzverwalter) der iranischen Provinz Chorasan, mit entsprechendem Einkommen (120 Toman/Monat, was etwa 360 Gramm Gold entsprach, heutiger Wert etwa 50.000 Euro /Monat, das 5-fache eines Leiters eines Deutschen Finanzamtes). Dazu kamen noch 3 weitere Einkommen: ein Teil der Rente seines Großvaters Firuz Mirza, eines Bruders von Mohammad Schah, ein zusätzlicher Ehrensold als Mostofi und ein Anteil der Rente seine Vaters nach dessem Tod.

Auf Grund seines Vermögens und damit verbundenen Einflusses wurde Mossadegh 1906 einer der wichtigsten Unterstützer der „Konstitutionellen Revolution Irans“, die die Absolutistische Herrschaft der Kadscharen in eine konstitutionelle Monarchie umwandelte. In diese Zeit fällt auch der Machtkampf zwischen Russland und Großbritannien im Iran und mehrfache Machtwechsel innerhalb der Kadscharen-Dynastie, deren Vertreter Asyl im damals russischen Odessa fanden. Die Kadscharen waren türkisch-arabische Oghusen, die durch die Mongolen Macht über den Iran erlangten und eng mit den Korsaren verbunden waren.

Ab 1909 studierte Mossadegh in Paris an der École libre des sciences politiques in Paris, als Stipendiat des iranischen Finanzministeriums und an der Universität Neuenburg in der Schweiz. Als er 1914 in den Iran zurückkehrte hatte er Karrieren als Finanzminister, Gouverneur und Außenminister.

Am 25. August 1941 startete im Rahmen des 2. Weltkriegs die Anglo-sowjetische Invasion des Irans, nachdem die Sowjetunion bereits in den 1920ern versuchte Einfluss im Norden des Irans zu Gewinnen und Großbritannien im Süden. Der 2. Weltkrieg war für beide Mächte ein willkommener Anlass in den Iran einzumarschieren, weshalb bis Heute GB und Russland keine hohes Ansehen in der iranischen Gesellschaft haben.

Dies führte auch 1946 zur Iran-Krise, dem Beginn des Kalten Krieges, bei der die UdSSR, mit Hilfe der stalinistischen Tudeh, Mossadeghs späteren Verbündeten, eine Sowjetrepublik im Iran schaffen wollte. Die Rote Armee zog sich nur durch Druck der USA und Großbritanniens vor dem neuen UN-Sicherheitsrates aus dem Iran zurück, nachdem der Iran Öl-Konzessionen an diese verteilte.

1949/50 wurde Mossadegh dann Mitbegründer der Nationalen Front (Jebhe-ye Melli), eines Bündnisses aus Nationalisten, liberalen Politikern und religiösen Figuren. Besondere Unterstützer von ihm waren Mozzafar Baghai von der Iranischen Arbeiterpartei, die mit der deutschen SPD verbunden war, und Abol-Qasem Kaschani, Gründer der Fedajin-e Islam, den Vorläufern der Islamischen Revolutionsgarden, die zahlreiche Anschläge auf Iraner verübten, und enger Vertrauter von Ruhollah Khomeini.

(Abol-Qasem Kaschani und Ruhollah Khomeini in den 1960ern)

Aufstieg zum Premierminister

Am 7. März 1951 wurde dann Premierminister Hadsch Ali Razmara Opfer eines Attentats. Chalil Tahmassebi, ein Mitglied der Fedajin-e Islam von Abol-Qasem Kaschani (der Vorläfer der IRGC), schoss dreimal und verwundete Razmara tödlich.

Diese Gelegenheit nutzten dann die selbsternannten „Linken“ von Baghai und die Kerikal-Faschisten aus Qom unter Kaschani und Khomeini um Mossadegh als den Premierminister vorzuschlagen, der die Öl-Verträge mit Großbritannien neu aushandeln könne und um den Mörder von Razmara zu begnadigen.

Anstatt die Verträge mit mit den Briten neu zu Verhandeln, förderte er jedoch die Verstaatlichung der von den Briten kontrollierten Ölindustrie und setzte diese um. Allerdings hat er im Iran keine eigene Petrochemie aufgebaut, wodurch die der komplette Öl-Export auf Null fiel. Anstatt viel zu geringer Anteile der Briten, erhielt der Iran nun überhaupt keine Einnahmen durch Öl und die komplette Wirtschaft des Irans brach zusammen.

 

Dadurch erzürnte er nicht nur den Zorn des Shahs, sondern auch den seiner Verbündeten der Nationalen Front unter Baghai, sondern auch den der Kleriker unter Kaschani & Khomeini und den Zorn der Arbeiter, Händler und Bauern, die auf die Ölwirtschaft angewiesen waren.

Notstandsvollmachten und Machtkonzentration

Wegen dieses immensen Widerstands gegen sich bekam er am 27. Juli 1952 per Majlis-Gesetz (Parlament) Notstandsvollmachten, die es ihm ermöglichten die Macht des Parlamentes auszuhebeln, den Senat aufzulösen und bis zu seiner Aberkennung am 13. August 1953 den Iran als Diktator per Dekret zu regieren.

Am 21. Okt. 1952 verbot er Streiks, es folgten Massenverhaftungen von Regime-Gegnern und auf den Straßen tobten sich seine einzigen, verbliebenen Verbündeten aus, die Schlägertrupps der Tudeh, wie Heute die Basiji, ihren Terror aus. Er hat also die komplette Verfassung des Irans ignoriert, um seiner eigenen Ideologie und der Ideologie seiner Verbündeten zu folgen.

Um seine Fehler zu kaschieren hat er dann begonnen iranische Kurden als ausländisch gesteuerte Separatisten darzustellen, ein Narrativ, das die Mullahs bei jeder Krise seit 1979 übernommen haben, obwohl die iranischen Kurden genauso Iraner sind wie Perser, Luren, Aserbaidschaner, Belutschen oder Turkmenen. Durch die Darstellung von vermeintlichen Randgruppen in den Grenzgebieten konnte er sie als separatistisch darzustellen und so seine Sicherheitsmaßnahmen, wie die Massenverhaftungen durch seine Schläger der Tudeh, zusätzlich legitimieren.

Diese Schein-„kurdische“ „Partei“, die mit russischer Hilfe gegründet worden war, um Kurdistan – damals ähnlich wie Aserbaidschan – vom Iran abzuspalten und mit Russland bzw. der Sowjetunion zu vereinen, war allerdings längst von der iranischen Armee besiegt worden und ihre Mitglieder sind in die Sowjetunion geflohen.

Trotz seiner immensen Macht durch seine Familie und seinen Reichtum, war der Iran zu dem Zeitpunkt noch immer eine konstitutionelle Monarchie, die er durch seine ideologische Fehlplanung in den Ruin brachte und in der er durch Shah Mohammad Reza Pahlavi verfassungsmäßig entmachtet werden konnte.

Operation Ajax und das Ende Mossadeghs

Die Operation Ajax des MI6 und der CIA haben den Prozess durchaus beschleunigt, aber auch ohne diese Intervention war Mossadegh nicht nur am Ende seiner Allmachtsvorstellungen, sondern wurde ein gescheiterter, opportunistischer Diktator, der nicht dem Willen seiner Kadscharen-Dynastie entsprechen konnte den Iran an die UdSSR anzuschließen, sondern den Iran an seine Grenzen brachte und ein Bündnis zwischen „Linken“ und Klerikal-Faschisten ermöglichte, das zur Islamischen Revolution 1979 und der Ermordung zehntausender Gegner des Mullah-Regimes führte, wodurch er auch alle Menschen im Iran verraten hat, die an ihn zuvor geglaubt haben.

0 Kommentare zu “Und täglich Grüßt der Mossadegh – der ein Mythos wurde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert