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Geopolitische Energieabhängigkeiten

Ein Beitrag von Alex Kohler

In der Theorie kann die Abkehr von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien die Abhängigkeit von Öl und Gas reduzieren. Auf den ersten Blick erscheint es sinnvoll, sich mit Sonne und Wind unabhängiger zu machen. Betrachtet man jedoch aktuelle Entwicklungen – etwa im Persischen Golf oder im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine – wird deutlich, dass Staaten wie Russland oder der Iran Energie gezielt als geopolitisches Instrument einsetzen. Im Rahmen hybrider Strategien werden bestehende Abhängigkeiten genutzt, um politischen Druck auszuüben.

So hat Russland in Deutschland über Jahre hinweg Erdgas als „Brückentechnologie“ für die Energiewende beworben. Gleichzeitig wurden alternative Optionen wie Kernenergie oder LNG-Importe – etwa aus Fracking – politisch und gesellschaftlich kritisch begleitet oder abgelehnt. Auch die Förderung der in Deutschland selbst gefunden Gaslager wurde ebenso verboten wie das kürzlich vor der deutschen Ostseeküste entdeckte Gasvorkommen. Projekte wie Nord Stream, gezieltes Preisdumping und das Ausbremsen von LNG-Terminals als teil einer hybriden Kriegsführung trugen dazu bei, eine starke Marktstellung aufzubauen und Abhängigkeiten zu vertiefen. Parallel dazu bestand die strategische Möglichkeit, durch den Ausbau europäischer Netzstrukturen Einfluss zu gewinnen und Staaten gegeneinander auszuspielen. Die Nutzung und Förderung von Protestbewegungen oder gesellschaftlichen Debatten im Sinne hybrider Einflussnahme ist dabei kein neues Instrument.

Aus geopolitischer Perspektive hat sich insbesondere Deutschland mit seiner stark erdgasbasierten Energiewende angreifbar gemacht. Europäische Partner haben wiederholt gewarnt. Dennoch zog sich das Konzept von Erdgas als Brückentechnologie durch mehrere Bundesregierungen. Auch aktuelle Planungen – etwa der Bau neuer Gaskraftwerke mit perspektivischer Umrüstung auf Wasserstoff – zeigen, dass diese Linie fortgeführt wird, unabhängig von parteipolitischen Konstellationen.

Erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie bieten zwar den Vorteil, fossile Brennstoffe zu ersetzen. Gleichzeitig entstehen jedoch neue Abhängigkeiten. Für die Herstellung von Solarmodulen, Windkraftanlagen, Batterien und Elektromotoren werden große Mengen kritischer Rohstoffe benötigt – darunter seltene Erden, Lithium und andere Metalle. Zudem ist ein erheblicher Teil der Weiterverarbeitung dieser Rohstoffe in Länder ausgelagert worden, insbesondere nach China, wo Umwelt- und Produktionsstandards häufig anders gewichtet werden.

Hinzu kommt, dass die europäische – und insbesondere die deutsche – Solarindustrie im internationalen Wettbewerb stark an Bedeutung verloren hat, während China durch gezielte Industriepolitik eine dominante Marktstellung aufgebaut hat. Damit verschiebt sich die Abhängigkeit: weg von fossilen Importen, hin zu technologischen Lieferketten und Rohstoffmärkten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Energiewende kann geopolitische Risiken reduzieren, beseitigt sie jedoch nicht. Stattdessen entstehen neue Abhängigkeiten entlang von Rohstoff- und Produktionsketten. Um langfristig resilient zu bleiben, wäre es daher notwendig, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien auch die eigene industrielle Basis, Rohstoffsicherung und Diversifizierung der Lieferketten stärker in den Fokus zu rücken.

Da zudem Erneuerbare zwingend Backup-Kapazitäten in gleicher Größenordnung benötigen, ist dringend zu überlegen, durch eine erneuerte Strategie zur Nutzung der Kernkraft eine grundlastfähige Alternative zu Solar/Wind/Gas zu schaffen – die technologisch auf eigenen Fähigkeiten beruht, im eigenen Land bzw. in der EU produziert werden und bezüglich Bauteilen und Rohstoffen weitere, unabhängige Lieferketten schafft.

2 Kommentare zu “Geopolitische Energieabhängigkeiten

  1. Und hier in Deutschland…. da haben wir Deindustrialisierung und eine frustrierte Arbeiterschicht die aus Angst vor Jobverlust AfD Wählt (Was Putin/China ebenfalls hilft)…

    Statt das man hier in die Pötte kommt und Slar und Batterie Lieferketten hier aufbaut und wieder Arbeit schafft. Schon komisch, SPD und Linke als Parteien des Proletariats vertreiben lieber die Industrie mit ihrer Politik anstatt diese zum Wohle aller auszubauen und wundern sich dann über entsprechende Wahlergebnisse.

  2. Ich stimme in meinen Ansichten in vielen Punkten mit diesem Artikel überein.
    Auch ich sehe ein großes Problem in der Abhängigkeit, die mit den Lieferketten in unserer Energieversorgung einhergehen.
    Allerdings sehe ich nicht wie Atomkraft daran irgendetwas verbessern sollte.

    TLTR: Atomkraft ist ungeeignet mit erneuerbaren Energien zusammenzuarbeiten, es gibt bessere Alternativen und Uran ist genauso problematisch wie andere Fossile Energieträger was die Abhängigkeit vom Ausland angeht. Wir sollten uns auf die Produktion von erneuerbaren Energien und Speichern in Deutschland und der EU konzentrieren und diese Wirtschaftszweige hier aufbauen. Dazu gehört auch die Produktion der dafür notwendigen Rohstoffe.

    Uran wird nicht in Deutschland abgebaut und auch nicht in ausreichenden mengen angereichert. Es sind generell nur recht wenige Länder die mehr Uran abbauen als Nutzen, was eine Diversifizierung erschwert. Bei der Anreicherung ist es noch schwieriger, denn hier spielt Russland mit Rosatom eine entscheidende Rolle. Russland verfügt über ca 44% der gesamten Urananreicherkapazität auf diesem Planeten und hat damit nicht nur die EU, sondern auch die USA beliefert und das auch schon als Druckmittel eingesetzt.
    https://www.miningscout.de/blog/2024/11/21/russland-verbietet-uranexporte-in-die-usa-wie-hart-wirkt-der-schritt-wirklich/
    Also wird man das Abhängigkeitsproblem an dieser Stelle sicherlich nicht lösen sondern wäre in vielen Fällen von gleichen Akteuren abhängig wie auch mit anderen Fossilen Ressourcen. Hinzu kommt, dass der Rohstoff Uran eine begrenzte Ressource ist und davon ausgegangen wird, dass der Betrieb von Atomkraftwerken innerhalb der nächsten 50-150 Jahre nicht mehr wirtschaftlich oder sogar gar nicht mehr gewährleistet sein kann. Was zwar lange klingt, wenn man aber die extrem langen Bauzeiten für AKWs (7-10 Jahre reine Bauzeit, wenn alles perfekt läuft normalerweise höher) und dann deren lange Amortisationszeit von mehreren Jahrzehnten bedenkt, klingt diese Zeitspanne nicht mehr so lang.
    Quelle Bundestag: https://www.bundestag.de/resource/blob/509082/5594603c3ecf27933ad76d31faf89c27/uran-als-kernbrennstoff-data.pdf#:~:text=Die%20gr%C3%B6%C3%9Ften%20Uran%2DF%C3%B6rderl%C3%A4nder%20sind%20derzeit%20Kanada%2C%20Australien%2C,die%20Ukraine%20sowie%20Gabun%2C%20Brasilien%20und%20Tschechien.

    Hinzu kommt, dass Atomenergie nicht gut mit Erneuerbaren Energien zusammen spielt. Denn wie oben schon richtig beschrieben ist Atomkraft nur grundlastfähig. Das bedeutet, dass ein Atomkraftwerk nicht schnell anspringen kann, wenn es benötigt wird und muss um profitabel zu laufen eigentlich dauerhaft durchlaufen. Gerade im Winter kann ein AKW auch mal zwei Tage bis eine Woche brauchen um hochgefahren werden zu können.
    Quelle: https://www.br.de/nachrichten/wissen/warum-das-herunter-und-hochfahren-der-akws-kein-problem-ist,TGdyF9B
    Für ein stabiles Netz brauchen wir aber gerade Energieerzeugungsmethoden, welche schnell auf fluktuierende Wind und Solarenergie reagieren können. Da schaden Grundlasterzeuger eher, da auch zu viel Strom im Netz ein riesiges Problem sein kann.
    Was man braucht, sind Energiespeicher, welche schnell Strom aufnehmen können und wieder abgeben können. Zum Beispiel Wasserkraft, Batteriespeicher oder auch Wasserstoffkraftwerke, obwohl gerade letzteres seine eigenen Probleme mit sich bringt.
    Aktuell wird die Aufgabe der spontanen Stromerzeugung von Gaskraftwerken übernommen, die dafür sehr gut geeignet sind, aber mit den in diesem Artikel beschriebenen Problemen einhergehen.
    Schlussendlich ist Atomstrom auch alles andere als günstig, wenn man sich den gesamten Prozess ansieht. Wenn man irgendwo Zahlen von einstelligen Cent Beträgen pro kWh sieht, dann sind das immer die Erzeugungskosten in denen nur die Betriebskosten und die Urankosten drin sind. Dabei wird alles ausgeklammert, was in der Realität diese Stromerzeugung so teuer macht. Der Bau eines AKWs ist so immens teuer, dass dies den Preis über seine Laufzeit schon bedeutend teurer macht als andere Erneuerbare und wenn man dann noch eine ungeklärte Endlagerung oder auch nur die von Staat übernommene Zwischenlagerung dazu rechnet ist Atomstrom extrem teuer.

    Zu den nötigen Rohstoffen für die Erneuerbaren und die Batteriespeicher.
    Silizium wird für Solarzellen benötigt, aber auch fast jedes elektronische Bauteil ohne die unsere Wirtschaft eh nicht mehr kann. Davon sind wir so oder so abhängig. Da sollte man schauen, dass man in der EU die vorhandenen Ressourcen abbaut und weniger importiert, nur weil es in China billiger geschürft wird.
    Für Batterien braucht man häufig Lithium, dieser Rohstoff wurde in sehr großen Mengen in Deutschland gefunden und sollte abgebaut werden. Und zwar nicht von der Chinesischen Firma die das Vorkommen gekauft hat. Wir brauchen da Souveränität.
    Quelle: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/stendal/salzwedel/altmark-lithium-vorkommen-foerderung-interview-102.html

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