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Republikation der Replik auf den Flaschenpost-Artikel „Wirtschaftssabotage“

Illustration zur Energiewende und Resilienzpolitik: Symbolisch dargestellte Menschen stemmen ein Solarpanel, vernetzte Leitungen und Batterien zeigen Energieabhängigkeiten, Technologieoffenheit und Sicherheitspolitik der Piratenpartei.
Energie, Resilienz und Technologieoffenheit – Illustration zur sicherheitspolitischen Perspektive der Piratenpartei.

Der hier veröffentlichte Artikel war als Artikel in der Flaschenpost gedacht, wurde dort aber trotz dem er eine Replik zum Artikel „Wirtschaftssabotage“ war, dort nicht veröffentlicht. Er stammt aus der Feder eines Piraten, der seinen piratigen Weg nun anders beschreitet. Er hat unserer Meinung nach Argumente, die aufzeigen, dass auch die Energiewirtschaft nicht nur Europäisch, sondern Global betrachtet werden muss, weshalb er für uns als Arbeitsgemeinschaften (AG) Außenpolitik / Europa ein wichtiger Beitrag zur innerparteilichen Willensbildung darstellt.

Der ursprüngliche am 11 November 2025 eingestellte Artikel wurde auf Bitte des BuVo Mitglieds – Babak Tubis – von unserer Website genommen, da er aus seiner Sicht nicht ausreichend Bezug auf die Außenpolitik genommen hatte. Da wir aber alle keine Zensur wollen und für freie Debatte stehen, wurde er erneut – in Kooperation mit Babak – eingestellt.
Für diejenigen, die einen Vergleich der Artikel vornehmen wollen, liegt eine Kopie des Originalartikel von Gregor Ries im Webarchiv.

Zur Batteriespeicher-Problematik im Detail

Die Kritik an zu geringen Batteriespeicher-Prognosen ist berechtigt, aber unserer Meinung nach unvollständig. Tatsächlich existieren bereits 15,4 GWh Heimspeicher-Kapazität aus 1,8 Millionen Speichern, dazu 0,9 GWh Gewerbespeicher und 2,9 GWh Großspeicher – zusammen also 19,2 GWh, was gerade einmal für etwa 18–19 Minuten des deutschen Strombedarfs ausreicht.

Doch die Realität ist noch ernüchternder: Die meisten Heimspeicher sind nicht bidirektional ans Netz angeschlossen und daher ausschließlich für den Eigenverbrauch optimiert, nicht für die Netzstützung. Ihre tatsächliche Verfügbarkeit schwankt erheblich: E-Auto-Akkus sind oft nur halb geladen, Heimspeicher werden nachts entleert, und bei mehrtägigen Schlechtwetterperioden reicht die Sonneneinstrahlung nicht aus, um sie zu füllen.

In den Wintermonaten ist der PV-Ertrag generell zu gering für eine vollständige Speicherladung. Die tatsächlich verfügbare Kapazität liegt deutlich unter den Nennwerten.

Das fundamentale Problem bewertet wir anders:
Bei mehrtägigen Dunkelflauten (2–54 Tage) bräuchte Deutschland zwischen 11 und 84 TWh Speicherkapazität – das 580- bis 4.400-Fache der heutigen Kapazität. Selbst bei optimalem Ausbau wären Batteriespeicher allein völlig unzureichend.

Die übersehene Resilienz-Problematik

Ein gravierender blinder Fleck des Artikels ist die neue Abhängigkeitsstruktur der Energiewende. 95 % der Photovoltaik-Module stammen aus China, ebenso kritische Rohstoffe wie Silizium und Silber. Windturbinen benötigen seltene Erden für Permanentmagnete, Batterien sind auf Lithium, Kobalt und Nickel angewiesen – alles geografisch hochkonzentrierte Vorkommen. Statt Diversifizierung entstehen neue geopolitische Abhängigkeiten, die in Krisen zum Problem werden könnten.

Gaskraftwerke – unsere differenzierte Betrachtung

Bei 65 GW durchschnittlicher Stromnachfrage und nur etwa 36 GW durchschnittlicher Leistung aus Erneuerbaren benötigt Deutschland backup-fähige Kraftwerke. Die pauschale Ablehnung von Gaskraftwerken als „Wunschzettel der Gasindustrie“ greift zu kurz:

Das eigentliche Problem sehen wir woanders. Die Industrie zögert bei Investitionen, weil geringe Volllaststunden schlechte Renditen bedeuten. Genehmigungsverfahren dauern Jahre, wasserstoff-ready-Turbinen sind nur begrenzt verfügbar, und ohne Kapazitätsmärkte sind solche Kraftwerke schlicht unrentabel. Hier liegt ein Marktversagen vor – kein Beweis für böse Absichten.

Der kommende Strombedarf-Tsunami

Ein gravierender Fehler des Artikels ist die Ausblendung des massiv steigenden Strombedarfs. Während heute etwa 520 TWh jährlich verbraucht werden, prognostizieren seriöse Studien bis 2045 einen Bedarf von 1.200–1.500 TWh.

  • Wärmepumpen: +150–200 TWh
  • Elektromobilität: +100–150 TWh
  • Elektrifizierung der Industrie: +200–300 TWh
  • Wasserstoffproduktion: +300–400 TWh

Ergebnis: eine Verdopplung bis Verdreifachung des Strombedarfs – in der aktuellen Debatte völlig unterbelichtet.

Methodische und stilistische Schwächen

Der Artikel nutzt massiv emotional aufgeladener Sprache statt sachlicher Argumentation. Formulierungen wie „dreist anlügen“ oder „fristlos rausschmeißen“ mögen mobilisieren, diskreditieren aber berechtigte Kritik und verhindern Dialog.

Außerdem werden die Sektorkopplung ausgeblendet, Power-to-X-Technologien als saisonale Speicheroption ignoriert und die europäische Vernetzung überschätzt – Dunkelflauten können ganz Europa betreffen.

Konstruktiver Ausblick

Die Energiewende braucht Technologieoffenheit:

  • massive Speicherausbauten über Batterien hinaus,
  • Sektorkopplung & Nachfrageflexibilisierung,
  • Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft für saisonale Speicherung,
  • Internationale Diversifizierung der Lieferketten auch bei Erneuerbaren-Technologien,
  • Backup-Systeme als Versicherung gegen Extremereignisse,
  • und eine ehrliche gesellschaftliche Debatte über Kosten und Zeitrahmen.

Fazit

Statt einseitiger Schuldzuweisungen braucht es evidenzbasierte Politik. Die Piratenpartei sollte ihre berechtigte Kritik an Lobbyismus mit realistischen Alternativen unterfüttern – statt physikalische Realitäten einseitig zu betrachten. Die Herausforderungen sind komplex genug – sie verdienen differenzierte Antworten.

 


Quellen und weiterführende Links

Offizielle Statistiken und Behörden

Forschungsinstitute

Fachmedien und Analysen

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